Doping für´s Volk? Ein Fünftel aller Nahrungsergänzungsmittel kontaminiert!

10 Millionen Mitglieder – der Fitnessmarkt boomt wie nie zuvor. Mager-Models sind „Out“, Fitness-Models sind „In“! Bei der Zielsetzung, möglichst schnell einen Sixpack oder den 40er-Bizeps aufzubauen, scheuen viele Fitnessjunkies wie ihre Vorbilder im Hochleistungssport nicht davor zurück, den natürlichen Adaptationsprozessen des Körpers ein Schnippchen zu schlagen. Das Unmögliche soll möglich werden. Deshalb vertrauen viele Athleten den Werbeversprechen der Nahrungsergänzungsindustrie nach dem Motto: Viel Protein hilft viel, wenn es um Muskelaufbau geht. Seriös und kompetent angewandt, ist gegen eine Ergänzung mit bestimmte Mikronährstoffen nichts einzuwenden. Viele Präparate zeigen unter wissenschaftlichen Kriterien positive Effekte auf Leistung und Körperkomposition. Ein Paradebeispiel ist Kreatin, dass wir in unserem letzten Blogartikel thematisiert haben. Gelegentlich kommen allerdings Substanzen ins Spiel, die langfristig nicht gerade ungefährlich sind. So zieht die Einnahme von anabolen Steroiden nicht nur eine positive Dopingprobe nach sich, sondern auch Unfruchtbarkeit und Arteriosklerose!

 

DMAA – jeder 13. Dopingfall durch verschmutzte Supplemente!

„Das kann mir nicht passieren,“ sind viele saubere Sportler überzeugt. Niemand sollte sich allerdings 100% sicher sein. Denham (2017) führt in einer aktuellen Veröffentlichung im International Journal of Sport Policy and Politics aus, warum das so ist: 14 bis 18% aller Nahrungsergänzungsmittel (NEMs) beinhalten illegale Wirkstoffe. 6,4 bis 8,8% aller positiven Dopingfälle sind durch kontaminierte Supplemente verursacht. Das heißt: Jeder dreizehnte positiv getestete Athlet wurde aufgrund verunreinigter NEMs gesperrt. Eine Substanz sticht dabei mit Abstand am häufigsten heraus: Methylhexanamin (DMAA). Nie gehört? Hier ein kurzer Einblick in die Geschichte:

  • 1940: DMAA wird erstmals als Amphetamin verkauft.
  • 1983: Das Produkt wurde wieder vom Markt genommen.
  • 1996: Eine obskure Studie identifiziert DMAA als natürliche Substanz (was in zahlreichen Studien später klar widerlegt wurde).
  • 2006: DMAA wird im Fitness-Markt als Energy-Booster eingeführt und erobert in zahlreichen Produkten die Welt.
  • 2009: Die WADA setzt DMAA auf die Dopingliste, da es nachweislich nicht natürlich ist; trotzdem ist es nach wie vor in vielen Sporternährungsprodukten enthalten.
  • 2012: Eine Teilnehmerin des London Marathon überquert die Ziellinie, kollabiert und stirbt; in ihrem Blut wurde DMAA gefunden.
  • 2012: Im gleichen Jahr sterben zwei amerikanische Soldaten an einer Herzattacke im Fitnesstraining; beide nahmen vor dem Training den DMAA-basierten Energiebooster Jack3d.
  • 2013: Das mit DMAA kontaminierte Produkt OxyElite pro wurde als Hauptverursacher einer Gesundheitskrise in Hawaii identifiziert; es kam zu 47 Hospitalisierungen, 3 Lebertransplantationen und einem Todesfall.

Wie konnte das passieren? DMAA ist doch ein kennzeichnungspflichtiger Inhaltsstoff. Auf vielen Produkten ist er tatsächlich auch vermerkt. Allerdings verdeutlicht die nachfolgende Liste, warum man diese für das Abschwellen der Nasenschleimhaut entwickelte Substanz auf den ersten Blick nicht so leicht erkennt:

 

40er Bizepz und lebenslange Fitness – zwei Dinge die sich ausschließen!

Aufgrund dieser langen Synonymliste ist es also kaum verwunderlich, dass immer wieder Sportler entgegen sauberer Absichten positiv auf Doping getestet werden. Auch Fitnesssportler können daher Opfer verschmutzter Präparate werden, wie die DMAA-Story deutlich zeigt. Wie gesagt: 14 bis 18% aller NEMs enthalten verbotene Substanzen. Deshalb empfiehlt Denham (2017) jedem Sportler vor dem Kauf eines Supplements, unbedingt einen Blick auf die Anti-Doping-Liste zu werfen. In Deutschland ist die NADA dafür zuständig, die einen Überblick über alle verbotenen Substanzen liefert. Wer sich diese Arbeit ersparen und dennoch auf Nummer sicher gehen möchte, sollte auf entsprechende Gütesiegel achten: Ist das Produkt auf der sogenannten Kölner Liste aufgeführt, kann man davon ausgehen, dass das Produkt bzw. zumindest die getestete Charge sauber ist. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es allerdings nie. Profisportler sind am Ende immer für sich selbst verantwortlich, wie das Beispiel Maria Scharapowa gezeigt hat. Ein positiver Test und das Sauberfrau (-mann)-Image ist dahin. Und Freizeitsportler sollte sich hinterfragen, ob sie für einen 40er-Bizeps wirklich ihre Gesundheit auf´s Spiel setzen wollen.

 

Quellen:

  • Denham, B. E. (2017). When contaminated dietary supplements cause positive drug tests: methylhexaneamine as a doping agent in sport. International Journal of Sport Policy and Politics, 1-13.
  • Hartgens, F., Kuipers, H. (2004). Effects of androgenic-anabolic steroids in athletes. Sports Medicine, 34(8), 513-554.

GETREIDE VERGIFTUNG: Warum Oma & Opa mit Gluten kein Problem hatten!

Sonntagsfrühstück bei den Großeltern mit Mehrkorn-Toast, Dinkelbrötchen und wertvollen Frühstückscerealien: Vollkorn ist schließlich gesünder als Baguette und weiße Brötchen. Deshalb wollen sich Oma und Opa von ihrer modernen, gesundheitsbewussten Seite zeigen. Aber Tochter, Schwiegersohn und Enkel winken schnell ab. Sie mussten leidvoll erkennen, dass sich Brot, Müsli und Nudeln für ihre kollektiven Verdauungsbeschwerden verantwortlich zeichnen.

Trotz der vermeintlich gesunden Vollwertkost tun sich immer mehr Menschen mit den Nebenwirkungen des Klebereiweißes Gluten schwer. Inzwischen sind nicht nur Zöliakie-Patienten von einer Glutenintoleranz betroffen (ca. einer von 100 in Deutschland [Laass et al., 2015]), sondern Gluten greift bei jedem von uns die sogenannten Tight Junctions an. Tight Junctions sind so etwas wie Dichtungen, die die Durchlässigkeit des Darms regulieren. Wird die Darmbarriere porös, können Erreger und Schadstoffe in die Blutbahn gelangen. Dann ist Alarm angesagt. Merkwürdig nur: Oma und Opa haben ihr ganzes Leben lang Brot und Brötchen gegessen. Nie hatten sie Probleme – zumindest bis vor kurzem. Denn abgesehen vom Äußerlichen hat das Brot der 1950er Jahre kaum noch etwas mit dem Industrie-Brot von heute zu tun!

Manipulation auf kleinster Ebene: Gentechnik verändert unsere Lebensmittel!

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Zum einen wurde der Weizen gentechnisch verändert. Gluten bietet dem Getreidekorn Schutz vor Schädlingen. Entsprechend profitieren Bauern von höheren Glutenkonzentrationen in ihrem Getreide. Auch Bäcker machen sich Gluten zu Nutze: Das Klebereiweiß sorgt  dafür, dass der Brotteig beim backen zusammenhält. Die Massenproduktion nutzt diesen Gluten-Effekt: Separiertes Gluten wird qualitativ minderwertigem Mehl hinzugefügt, um dessen Eiweißanteil zu erhöhen (Day et al., 2006). Dann lässt es sich sogar als „Eiweißbrot“ vermarkten.

Mit der Erhöhung der Glutenmenge allein geben sich allerdings viele nicht zufrieden. Vor der Saat werden die Felder mit Unkrautvernichtungsmittel wie z.B. Glyphosat besprüht. Rückstände solcher Herbizide reichern sich im Ackerboden an und werden von den später ausgesäten Pflanzen, unter anderem dem Getreide, absorbiert. Und wie im Korn, so auch im Brot: Eine groß angelegten Studie in der Schweiz entdeckte bei mehr als 40% der untersuchten Lebensmittel Glyphosat-Rückstände (20minuten.ch, 2017). Und eine aktuelle Untersuchung von Stiftung Warentest ergab Glyphosat-Rückstände in vielen alkoholfreien Biersorten.

Darüber hinaus hat sich das Herstellungsverfahren von Brot drastisch verändert: Früher ließ man Brotteig fermentieren. Daraus entstand der sogenannte Sauerteig, der aufgrund der Milchsäurebakterien und Hefen nahezu vollständig frei von Gluten war. Aufgrund von Kosteneffizienz und hoher Nachfrage muss man heute nach Sauerteig lange suchen.

Das Glutenmaß ist voll: Zurück zu Großmutters Zeiten!

Wir haben es also mit additiven Effekten zu tun: Einerseits hat das heutige Getreide nichts mehr mit dem zu tun, was Oma und Opa in ihren besten Jahren kannten. Andererseits hat sich der Herstellungsprozess extrem verändert. Die Folge ist, dass die Menge an Gluten in unserem Industriebrot in einem solchen Maße angestiegen ist, dass unser Verdauungsapparat immer häufiger Alarm schlägt. Wer nicht auf sein Frühstücksbrötchen verzichten will, sollte folgendes beachten: Billig produziertes Mehl ist in der Regel stärker manipuliert, da es am ertragsreichsten ist und somit günstig verkauft werden kann. Die Lösung: Entweder selber wieder ein Sauerteigbrot backen oder sich einen Bäcker des Vertrauens suchen, der Sauerteigprodukte herstellt. Problem dabei: Die meisten Verkäufer(Innen) wissen heute nicht mehr, was Sauerteig überhaupt ist!

Verwendete Quellen:

  • Day, L., Augustin, M. A., Batey, I. L., & Wrigley, C. W. (2006). Wheat-gluten uses and industry needs. Trends in Food Science & Technology17(2), 82-90.
  • Laass, M. W., Schmitz, R., Uhlig, H. H., Zimmer, K. P., Thamm, M., & Koletzko, S. (2015). The prevalence of celiac disease in children and adolescents in Germany: results from the KiGGS study. Deutsches Ärzteblatt International112(33-34), 553.
  • http://www.20min.ch/wissen/news/story/Fast-Haelfte-der-Esswaren-enthaelt-Glyphosat-16608965

EGCG: Die entzündungshemmende Kraft von Grüntee!

Grüntee enthält 4000 bioaktive Substanzen

Die Teepflanze (Camellia sinensis) enthält biologisch aktive Stoffe, die als Polyphenole bekannt sind und deren Konsum schon lange mit zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht wird. Studien berichten, dass in Tee beinahe 4000 bioaktive Stoffe enthalten sind, von denen die Polyphenole den größten Teil ausmachen.

Polyphenole sind natürlich vorkommende organische Chemikalien, die Phenolgruppen enthalten und die zu den häufigsten Sekundärmetaboliten von Pflanzen gehören. Zu den Polyphenolen gehören Phenolsäuren, Flavonoide, Tannine, Lignane und Stilbene.

In den letzten Jahren standen die gesundheitlichen Vorteile von Polyphenolen im Fokus von Ernährungswissenschaftlern und viele vorklinische und klinische Studien belegen die günstigen Auswirkungen dieser Stoffe auf die menschliche Gesundheit.

Grüntee hemmt oxidativen Stress

Als sehr potente Antioxidantien können Polyphenole verschiedene Krankheiten verhindern, die in Zusammenhang mit oxidativem Stress stehen. Als Antioxidantien verzögern, unterbinden oder verhindern sie die Oxidation von Lipiden, Proteinen oder Nukleinsäuren in unserem Körper, indem sie freie Radikale einfangen und so den oxidativen Stress verringern.

Es ist bekannt, dass oxidativer Stress mit der Entstehung und dem Fortschreiten verschiedener chronisch-degenerativer Krankheiten wie Herzleiden, Krebs und Altern zusammenhängt. Zusätzlich zu ihrer Funktion als Antioxidanz, legen diese Stoffe eine Vielfalt an biologischen Aktivitäten an den Tag und wirken beispielsweise antitumoral, entzündungshemmend und antimikrobiell.

Die Polyphenole des grünen Tees sind vor allem Phenolsäuren und Flavonoide, insbesondere Catechin und dessen Derivate. Grüner Tee enthält aufgrund der Verarbeitungsweise nach der Ernte (unterbrochene Oxidation) mehr Catechine als andere Teesorten, aber es gibt auch bei grünem Tee Unterschiede im Catechingehalt zwischen den verschiedenen Herstellern, die durch Wachstumsbedingungen, Erntezeitpunkt oder Temperatur bei der Zubereitung beeinflusst werden.

Epigallocatechin-3-gallat (EGCG) und Vitamin C

Die vier Catechine, die in grünem Tee vorkommen, sind Epicatechin (EC), Epichatechin-3-gallat (ECG), Epigallocatechin (EGC) und Epigallocatechin-3-gallat (EGCG). Epigallocatechin-3-gallat kommt am häufigsten vor und ist am aktivsten.

Die Extraktion/Isolation von EGCG aus grünem Tee erhält die biologische Aktivität und dient als Quelle für qualitativ hochwertige Polyphenole. Die Wasserextraktion von Blättern des grünen Tees ist ein relativ schonendes Verfahren für die Extraktion von EGCG ohne Verwendung aggressiver Lösungsmittel und erfolgt gemäß den Bestimmungen für Lebensmittelsicherheit der FDA.

Studien haben gezeigt, dass einige Faktoren, wie etwa ein hoher pH-Wert oder eine hohe Temperatur, die Stabilität und die Pharmakokinetik von EGCG beeinflussen und dessen Abbau fördern. Andererseits verbessert die Aufnahme von EGCG zusammen mit Vitamin C oder Mineralstoffen wie Selen oder Chrom die antioxidative Wirkung von EGCG (1, 2). Im letzten Jahrzehnt gab es eine Vielzahl an Studien zu den gesundheitlichen Vorzügen von EGCG (3).

Entzündungsreaktionen sind Teil des Verteidigungsmechanismus des Immunsystems. Es handelt sich dabei um einen Prozess, bei dem die weißen Blutkörperchen in unserem Körper uns vor Infektionen durch Bakterien oder Viren schützen.

Die Entzündungsreaktion ist ein komplexer, zellulärer Prozess, an dem verschiedene Arten von Immunzellen, Proteinen und Signalmolekülen beteiligt sind. Symptome einer Entzündung sind unter anderem Schwellung, Wärmeentwicklung, Rötung, Müdigkeit und Schmerzen, die in Zusammenhang mit einem erhöhten Blutfluss, Vasodilatation, Ausschüttung zellulärer Mediatoren und einem zellulären Zustrom stehen (4). Zellen des Immunsystems wandern zum Ort der Verletzung oder der Infektion und verursachen eine Entzündungsreaktion, um die Stelle zu schützen und zu heilen.

Überschießende Entzündungen verhindern

Die Entzündung kann entweder akut verlaufen und innerhalb von Stunden oder Tagen wieder abklingen oder chronisch und dann Monate oder Jahre andauern. Während der akuten Entzündungsreaktion wird eine Stimulation von weißen Blutkörperchen, neutrophilen Granulozyten und Makrophagen eingeleitet.

Bei der chronischen Entzündungsreaktion werden T-Lymphozyten und Plasmazellen aktiviert. Zu den Krankheiten, die mit einer chronischen Entzündung in Verbindung gebracht werden, zählen unter anderem Herzkrankheiten, Diabetes, Krebs, Alzheimer, rheumatoide Arthritis usw. Manchmal initiieren Zellen des Immunsystems auch eine Entzündungsreaktion gegen körpereigenes, gesundes Gewebe, was somit zu Autoinflammation und einem Spektrum an Autoimmunkrankheiten führen kann.

Bei der chronischen Entzündungsreaktion werden T-Lymphozyten und Plasmazellen aktiviert. Zu den Krankheiten, die mit einer chronischen Entzündung in Verbindung gebracht werden, zählen unter anderem Herzkrankheiten, Diabetes, Krebs, Alzheimer, rheumatoide Arthritis usw. Manchmal initiieren Zellen des Immunsystems auch eine Entzündungsreaktion gegen körpereigenes, gesundes Gewebe, was somit zu Autoinflammation und einem Spektrum an Autoimmunkrankheiten führen kann.

Die Folgen einer Entzündungsreaktion hängen vom Gleichgewicht zwischen proinflammatorischen und antinflammatorischen Zytokinen ab. Proinflammatorische Zytokine sind immunregulatorische Zytokine, die die Entzündung fördern. Zu den proinflammatorischen Zytokinen gehören die Tumornekrosefaktoren (TNF) und die Interleukine, die direkt nach der Verletzung gebildet werden und an der Hochregulierung der Entzündungsreaktion beteiligt sind.

Antiinflammatorische Zytokine (gehören ebenfalls zu den Interleukinen) dienen der Hemmung des Entzündungsprozesses und fördern die Heilung. Biomarker einer Entzündung sind Proteine oder Enzyme, die im Plasma oder im Blut messbar sind und diagnostische oder prognostische Informationen liefern, indem sie Hinweise auf den zugrundeliegenden Krankheitszustand geben.

Heutzutage gibt es eine Vielzahl von Medikamenten mit entzündungshemmenden Eigenschaften, aber diese haben auch Einschränkungen. Nichtselektive, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) werden üblicherweise bei Schmerzen und Entzündungen verschrieben, können jedoch zu gastrointestinalen Reizungen führen. Eine andere häufig verschriebene Klasse von entzündungshemmenden Therapeutika, die Cyclooxygenase (COX)-2-Hemmer, verursachen möglicherweise kardiovaskuläre Nebenwirkungen.

Besser als Entzündungshemmer

Mit der Komplementär- und Alternativmedizin scheint man einen wesentlichen Ansatz für die Behandlung von Entzündungen gefunden zu haben. Zu diesem Ansatz gehören Yoga, Nahrungsergänzungsmittel, Mineralstoffe, Vitamine und natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen. Curcumin und Resveratrol sind bekannte Polyphenole aus Pflanzen, die über entzündungshemmende Eigenschaften verfügen.

Wenn man über die gesundheitlichen Vorzüge von grünem Tee spricht, hat EGCG in letzter Zeit deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Das liegt daran, dass in vielen Studien entzündungshemmende Eigenschaften von EGCG nachgewiesen wurden.

Es wird vermutet, dass EGCG die entzündungshemmende Aktivität der Zellen beeinflusst, indem es die Synthese und die Aktivität vieler proinflammatorischer Mediatoren unterdrückt. Dies kann weitgehend durch einen Mechanismus erklärt werden, bei dem grüner Tee bzw. EGCG als Antioxidans agiert, um reaktive Sauerstoffspezies abzufangen und so zu einer Abschwächung der Aktivität von NF-κB zu führen.

Bei NF-κB (Nukleärer Faktor κappa B) handelt es sich um einen Proteinkomplex, der die Transkription von DNA, die Synthese von Zytokinen und das Überleben von Zellen kontrolliert und außerdem eine zentrale Rolle bei der Regulation der Immunantwort auf Infektionen spielt. Die entzündungshemmende Wirkung von ECGC ist also hauptsächlich auf seine starke antioxidative Aktivität zurückzuführen.

EGCG wirkt nicht nur bei Rheuma

Es gibt eine Vielzahl an In-vivo- und In-vitro-Studien mit dem Ziel, die entzündungshemmende Wirkung von EGCG aufzuklären. Breit aufgestellte In-vivo-Studien haben den entzündungshemmenden Charakter von EGCG bei rheumatoider Arthritis und kardiovaskulären Erkrankungen aufgezeigt. 

Da Antirheumatika das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöhen, haben viele Studien die positive Wirkung von EGCG bei rheumatoider Arthritis wie auch bei kardiovaskulären Erkrankungen hervorgehoben. Frühe Studien haben berichtet, dass EGCG die Aktivierung proinflammatorischer Zytokine hemmt (11, 12, 13). 

Eine Studie von Kim et al. (8) hat gezeigt, dass EGCG in Epithelzellen der Atemwege effektiv die Synthese von Interleukin-8 (IL-8) hemmt, was wiederum die Rekrutierung von neutrophilen Granulozyten stimuliert und die Präsenz reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) fördert. 

Einige Studien weisen außerdem auf die Rolle von EGCG bei der Neutralisation der Entzündungswirkung von IL-1β und IL-6 hin (9, 10).

Auch bei Herzkreislauf-Erkrankungen protektiv

Experimentelle Studien berichten von einer Reduktion der Entzündung in Gefäßen durch EGCG. Außerdem wurde gezeigt, dass EGCG einen durch ROS verursachten endothelialen Myokardschaden und die Aktivität der Myeloperoxidase minimieren und gleichzeitig die IL-6- und Kreatinphosphokinase-Konzentrationen im Plasma reduzieren kann (5). Murakamal et al. (6) führten eine Kohortenstudie durch, in der gezeigt wurde, dass Patienten, die für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr vor einem akuten Myokardinfarkt regelmäßig schwarzen oder grünen Tee konsumiert haben, eine höhere Langzeitüberlebensrate hatten als Patienten, die keinen Tee getrunken haben. 

Dies stand in Zusammenhang mit der Verhinderung der Oxidation von LDL und der Akkumulation von Makrophagen, was EGCG zugeschrieben wurde. Es scheint, dass die starke antioxidative Wirkung von EGCG ein entscheidender Faktor in der Behandlung von Arteriosklerose ist. Eine In-vivo-Studie von Hao et al. (7) zeigte, dass durch die antioxidative Wirkung von EGCG eine durch Drucküberlastung erzeugte kardiale Hypertrophie in Ratten verhindert werden konnte und der durch ROS verursachte Stress auf die Kardiomyozyten unterdrückt werden konnten.

Der allgemeine gesundheitliche Nutzen, der in klinischen und vorklinischen Studien von EGCG aus grünem Tee demonstriert wurde, hebt eine mögliche therapeutische Anwendung von EGCG für die Behandlung von Krankheiten mit entzündlichen Komponenten hervor, ebenso wie das Potenzial von EGCG kardiovaskuläre Komplikationen in Zusammenhang mit rheumatoider Arthritis zu regulieren.

Quellen:

  1. Peters CM, Green RJ, Janle EM, Ferruzzi MG (2010). Formulation with ascorbic acid and sucrose modulates catechin bioavailability from green tea. Food Res Int. 43: 95-102.
  2. Giunta B, Hou H, Zhu Y, Salemi J, Ruscin A, Shytle RD, Tan J (2010). Fish oil enhances anti-amyloidogenic properties of green tea EGCG in Tg2576 miceNeurosci Lett. 471: 134-8.
  3. Singh B., Shankar S., Srivastava R. (2011) Green tea catechin, epigallocatechin-3-gallate (EGCG): Mechanisms, perspectives and clinical applications, Biochem. Pharmacol. 82: 1807-1821. https://doi.org/10.1016/j.bcp.2011.07.093.
  4. Ferrero-Miliani L, Nielsen OH, Andersen PS, Girardin SE (2007). Chronic inflammation: importance of NOD2 and NALP3 in interleukin-1beta generation. Clin Exp Immunol. 147: 227–35.
  5. Aneja, R., Hake, P.W., Burroughs, T.J. et al.(2004). Epigallocatechin, a Green Tea Polyphenol, Attenuates Myocardial Ischemia Reperfusion Injury in Rats. Mol Med10: 55–62 https://doi.org/10.2119/2004-00032
  6. Mukamal KJ, Maclure M, Muller JE, Sherwood JB, Mittleman MA (2002). Tea consumption and mortality after acute myocardial infarction. Circulation. 105:2476–81.
  7. Hao J, Kim CH, Ha TS, Ahn HY (2007). Epigallocatechin-3 gallate prevents cardiac hypertrophy induced by pressure overload in rats. J Vet Sci 8:121–9.
  8. Ahmed S, Marotte H, Kwan K, Ruth JH, Campbell PL, Rabquer BJ, et al. (2008). Epigallocatechin- 3-gallate inhibits IL-6 synthesis and suppresses transsignaling by enhancing soluble gp130 production. Proc Natl Acad Sci USA. 105:14692–7.
  9. Lin SK, Chang HH, Chen YJ, Wang CC, Galson DL, Hong CY, et al. (2008). Epigallocatechin-3-gallate diminishes CCL2 expression in human osteoblastic cells via up-regulation of phosphatidylinositol 3-kinase/Akt/Raf-1 interaction: a potential therapeutic benefit for arthritis. Arthritis Rheum. 58:3145–56.
  10. Morinobu A, Biao W, Tanaka S, Horiuchi M, Jun L, Tsuji G, et al. (2008). (−)-Epigallocatechin- 3-gallate suppresses osteoclast differentiation and ameliorates experimental arthritis in mice. Arthritis Rheum. 58: 2012–8.
  11. Liu D, Perkins T, Hennig B (2016). EGCG prevents PCB-126-induced endothelial cell inflammation via epigenetic modifications of NF-κB target genes in human en- dothelial cells. J. Nutr. Biochem. 28: 164–170. http://dx.doi.org/10.1016/j.jnutbio. 2015.10.003.
  12. Cave, ME, Harrington KL, Vollmer R, Ward W, Zhang JZ (2011). Anti-in- flammatory and anti-oxidative effects of the green tea polyphenol epigallocatechin gallate in human corneal epithelial cells. Mol. Vis. 17: 533–542
  13. Wang T, Xiang Z, Wang Y, Li X, Fang C, Song S, Li, Yu H, Wang H, Yan L, Hao S, Wang X, Sheng J, (2017). (-)-Epigallocatechin gallate targets notch to at- tenuate the inflammatory response in the immediate early stage in human macro- phages. Front. Immunol. 8: 433. http://dx.doi.org/10.3389/fimmu.2017.00433.